How to Demo

1. Informiert eure Studierenden über die Thematik

Hierzu wurde euch mit dem How-To-Demo eine PowerPoint zugeschickt, die einfach zu verstehen und erklären ist. 

2. Gründung eines kommunalen Demo-Bündnisses und Planung

Ziel ist als möglichst breites Bündnis kommunal zur Demo aufzurufen. D.h., dass ihr euch am besten kommunale Bündnispartner sucht, die die Demo mit euch gemeinsam bewerben und öffentlich zeigen, dass sie auf eurer Seite stehen:

Bezüglich der Hochschulfinanzierung und des Demotermins am 30.10 sind die Rektorate/Präsidien der Hochschulen als Partner*innen interessant. Im Regelfall wird Euch die Presse und Öffentlichkeitsabteilung Eurer Hochschule auch unterstützen.

Um weitere Partner*innen zu finden wurde ein Text mit einem Selbstverständnis/Aufruf verfasst, mit dem mögliche lokale Partner*innen geworben werden können.

2.1 Mögliche Partner*innen (Beispiele)

  • Personalräte
  • Mittelbauvertretung
  • Professorale Gruppen (wenn es die an Eurer Hochschule gibt)
  • Gewerkschaften
  • Lokale Studierendengruppen in Eurer Studivertretung/Studierendenschaft
  • Die lokale Schüler*innenvertretungen
  • Lokale Vereine/Organisationen, die sich mit Bildung beschäftigen
  • Ggf. die Studischaften benachbarter Hochschulen, an denen keine Demo stattfindet

2.2 Anschreiben für die Bündnispartnerschafts-Anfrage

Liebe …,

aktuell laufen die Verhandlungen zum neuen Hochschulfinanzierungsvertrag (HoFVII) zwischen Land und Hochschulen in Baden-Württemberg. 

Wir, die Studierendenvertretung, möchten euch als Interessenverband daher dazu einladen, teil eines kommunalen, parteienübergreifenden und zivilgesellschaftlichen Bündnisses zu werden, um gemeinsam eine starke Stimmung für die Ausfinanzierung der Hochschulen zu erheben. Denn jetzt ist der Zeitpunkt, zu dem wir etwas mit vereinter Kraft und an einem gemeinsamen Strang ziehend etwas bewirken können. 

Was können wir gemeinsam tun? Wir wollen mit euch als Bündnis auf den 30.10. zur Demo für eine ausreichende Grundfinanzierung aufrufen und gemeinsam mit euch auf die Straße ziehen. Die Demo ist eingebettet in einen landesweiten Protesttag. Durch eure Präsenz auf der Demo, aber auch im Vorfeld als Bündnispartner auf dem Demoaufruf sowie gegebenenfalls durch gemeinsame Pressemitteilungen signalisieren wir, dass Bildung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist und hinter der Forderung ein breites Freiburger Bündnis steht. 

Zum Hintergrund: 2013 wurde der HoFVI erstmalig ausgehandelt, da durch die Doppeljahrgänge G8/G9 die Studierendenzahlen massiv Zuwachs erhielten – um diese auffangen zu können, bewilligte das Land Baden-Württemberg Mittel, welche im HoFVI verhandelt wurden. Damals wurde davon ausgegangen, dass die Studierendenzuwüchse ab 2020/21 sich wieder normalisieren würden, da dann die Doppeljahrgangskohorten überstanden werden. Nun hat sich jedoch entgegen der Erwartungen abgezeichnet, dass die Studierendenzahlen auf dem Niveau der Doppeljahrgänge bleiben werden. Das bedeutet einen enormen Zusatz an Aufgaben für die Hochschulen, welche nur gemeistert werden können, wenn entsprechende Mittel zum Ausbau der Infrastruktur und für ausreichend Personal zur Verfügung stehen. In den aktuellen Verhandlungen zeichnet sich jedoch ab, dass das Land Baden-Württemberg den mittlerweile alarmierenden Bedarf nicht decken will – im Gegenteil ist der politische Wille, dass an den Hochschulen gespart werden solle. Die Landesrektorenkonferenz Baden-Württemberg setzte daher in ihrer Pressekonferenz vom 27.08.2019 die Öffentlichkeit davon in Kenntnis, dass die Finanzierungslücken der Hochschulen in Baden-Württemberg eine solch prekäre Stufe erreicht haben, dass die Hochschulen im Falle eines nicht auskömmlichen Vertrages die Qualität von Forschung und Lehre nicht mehr sichern werden können und mit Studienplatzreduzierungen gerechnet werden muss.

Die aus mangelnder Grundfinanzierung resultierende Not ist im Hochschulsektor allgegenwärtig. Vorlesungen und Seminare sind überfüllt. Notwendige Tutorate entfallen. In den Bibliotheken fehlt es an Büchern und an den Hochschulen an Räumen, von der Ausstattung ganz zu schweigen. Auch Arbeitsbereiche wie Digitalisierung, klimaneutrale Hochschulen oder Gleichstellungsfragen können nicht sachgemäß erschlossen werden, da hierzu Mittel und Personal fehlt. In der Verwaltung fehlt Personal, sodass die Angestellten maßlos überlastet sind und sich dies auch auf die Studierenden beispielsweise in Bezug auf Prüfungsämter auswirkt. So kann es nicht weiter gehen! Baden-Württemberg hat im Bereich der Hochschulbildung einen ordentlich großen Ruf – doch auf Dauer kann die viel beachtete Qualität des Studiums und der Forschung am Wissenschaftsstandort Baden-Württemberg nicht gehalten werden, wenn auf politischer Ebene der Wille fehlt, die Hochschulen aus der prekären Finanzlage zu befreien. Angesichts eines Haushaltsüberschusses von 10 Milliarden Euro ist nicht nachvollziehbar, warum das Land Baden-Württemberg ausgerechnet in der Hochschulbildung kürzen will.

Für weitere Frage stehen wir euch jederzeit zur Verfügung. 

Wir hoffen auf eure Teilnahme und blicken zuversichtlich auf eine gute Zusammenarbeit.

Mit besten Grüßen,

2.3 Selbstverständnis für das Demobündnis

Als Bündnis stehen wir für das Ziel eines ausreichend (grund-) finanzierten Hochschulsystems in Baden-Württemberg ein. Bildung ist eine der wichtigsten Ressourcen von Wissensgesellschaften und gerade für den Wissenschaftsstandort Baden-Württemberg unerlässlich. Damit ist Bildung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu verstehen und es gilt gemeinsam eine gute Bildung zu ermöglichen.

Wir erkennen das Recht auf Bildung, welches durch die Ratifizierung der UN-Menschenrechtscharta auch in Deutschland gilt, an. Bildung ermöglicht Räume, in denen sich Menschen selbst entfalten können. An den Hochschulen wird dieser Prozess, der schon in den Kindergärten und Schulen beginnt, fortgeführt und im persönlichen Interessenbereich der Studierenden vertieft.

An den Hochschulen werden die Köpfe von morgen ausgebildet. Sie sind es, die sich auf Basis ihrer Fachkompetenzen mit gesellschaftlichen Kernfragen der Zukunft auseinandersetzen und zum gesellschaftlichen Fortschritt beitragen. Dabei lernen Studierende gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Gleichsam trägt die Forschung an Hochschulen im Wesentlichen dazu bei, Antworten auf jene gesellschaftlichen Kernfragen zu finden.

Bildung und Forschung an Hochschulen fördern Vielfalt, Toleranz und den internationalen Austausch. Hochschulen regen zu Austausch auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene an. Über Studienaustauschprogramme lernen Studierende Menschen unterschiedlichster Herkunft kennen. Im Bereich der Forschung ist internationale Zusammenarbeit unverzichtbar. Hierdurch wird ein wichtiger Beitrag zur nationalen und internationalen Verständigung geleistet.

Hochschulen sind Begegnungsorte von Menschen unterschiedlichster persönlicher Merkmale. Sie können einen wichtigen Beitrag zur Sichtbarmachung marginalisierter Gruppen leisten und durch die aktive Förderung strukturell Benachteiligter einen Beitrag zur Chancengerechtigkeit erbringen. Dadurch, dass Hochschulen Orte des Diskurses sind und unter anderem gesellschaftliche Fragen verhandeln, können sie durch ihre Außenwirkung Werte wie Toleranz in die Gesellschaft zurücktragen, sowie das staatsbürgerliche und demokratische Verantwortungsbewusstsein stärken.

Investitionen in das Bildungssystem zahlen sich auf vielfältige Weise aus. Ein funktionierendes Bildungssystem ist Kern einer demokratischen Gesellschaft. Es ist die Aufgabe des Staates dafür zu sorgen, dass sämtliche Bildungseinrichtungen, auch Hochschulen, ausreichend Geld zur Verfügung haben um ihrer Arbeit nachkommen zu können. Durch die aktuelle Sparpolitik ist die ausreichende Finanzierung in Gefahr. Hier wollen wir uns dafür einsetzen, dass das Land seiner Verantwortung nachkommt.

Das Bündnis versteht sich zuallererst als bildungspolitisches Bündnis, welches sich für die Ausfinanzierung baden-württembergischer Hochschulen einsetzt. Des Weiteren steht es für die Werte der freien Bildung und Forschung, Vielfalt und Toleranz sowie gegen jegliche Form von Diskriminierung und Wissenschaftsfeindlichkeit ein.

Wir appellieren an das Land, seiner bildungspolitischen Verantwortung endlich nachzukommen. Dazu müssen im Zuge der momentanen Verhandlungen des neuen Hochschulfinanzierungsvertrags ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt werden. Die Hochschulen stehen finanziell am Anschlag. So wie es momentan läuft, kann es nicht weitergehen!

3. Mobilisierung: Informationskampagne

Wissen, warum man Demonstrieren muss – Zunächst ist es wichtig die Studis/Hochschulmitarbeiter*innen überhaupt auf das Thema und die laufenden Verhandlungen aufmerksam zu machen -> es gibt landesweit gleiche Flyer, die Ihr entweder abändern könnt oder über eine Studierendenschaft mitbestellen könnt (beim StuRa der Uni Tübingen melden, die schicken euch die Materialien zu). Auch Plakate, auf denen Ort und Zeit der Demo eingeklebt werden können werden noch gedruckt.

Die Flyer und Plakate sollten an der Hochschule verbreitet werden. Dazu eignet es sich insbesondere die Flyer in Vorlesungen zu verteilen, am Mikro vielleicht sogar kurz zu erklären, worum es geht, sowie Flyer an Mensen, Studierendenwohnheimen usw. zu verteilen. Ggf. sind auch Infostände oder Ansprachen in Vorlesungen möglich. In Absprache mit Eurer Uni können ggf. auch Infomails an alle Studierenden versendet werden und die Social Media der Hochschule genutzt werden. Setzt euch daher unbedingt mit eurem Rektorat und der Pressestelle der Hochschule in Verbindung. Die Bewerbung auf Euren eigenen Homepages und Social Media Kanälen sollte ebenfalls erfolgen.

Wenn ihr die Möglichkeit habt, setzt euch auch mal mit eurer lokalen Presse zusammen und gebt ein Interview oder schickt ihnen Informationen zu, damit sie über die Kampagne und den Aktionstag berichten und so vorab schon Studierende informieren können.

Für Social Media: #Bildungsnot #BildungIstZukunft #BildungMitPlan

Verbreitet Infos über die Kampagne: hochgeschult-kaputtgespart.de

4 Infrastruktur: Das braucht ihr für eine Demo

4.1. Für die Demo selbst braucht ihr auf jeden Fall:

— Eine ausreichende Anzahl an Ordnerwesten (z.B. Warenwelten) oder beschrifteten Ordner*innenbinden.

Die Ordner*innen müssen über die geplante Route und den Ablauf der Demo Bescheid wissen und auch über Eure zentralen Ansprechpartner informiert sein, und über die Auflagen von Ordnungsamt/Polizei informiert sein. (Am einfachsten macht ihr für die Ordner*innen einen kurzen Zettel mit den notwendigen Infos). Klärt vorher ab wer was zu entscheiden hat, wer zum Beispiel angesprochen wird, wenn es Ärger gibt, wenn diskriminierende Banner auftauchen etc.

4.2. Uhrzeit 

Die Uhrzeit der Demo solltet ihr an die Gegebenheiten an der Hochschule anpassen. Zum Beispiel könnte es sinnvoll sein die Demo so zu legen, dass die Mitarbeiterinnen zumindest an der Anfangskundgebung in ihrer Mittgaspause teilnehmen können. Zu spät sollte die Demo auch nicht sein, damit die Presse auch noch Zeit für die Erstellung von Berichten und Artikeln hat. Tübingen fängt beispielhaft um 13 Uhr an, Freiburg um 12 Uhr. Generell ist es zeitlich zwischen 10-14 Uhr empfehlenswert.

4.3. Ort, Technik, Musik

Redner*innen sollten exponiert, also gut sichtbar stehen à oft bieten sich Balkone oder Treppenabsätze als Podeste an, ansonsten ist häufig ein LKW eine kostengünstige Alternative. Damit die Redner*innen verstanden werden braucht man in der Regel Lautsprecher. Für Zeiten in denen nicht geredet wird sollte Musik vorbereitet werden, achtet darauf, dass vorher klar ist wer ggf. Musik mitbringt und dass ggf. die passenden Anschlusskabel vorhanden sind. Livebands erhöhen den Aufwand deutlich, sind jedoch gerade am Anfang oder dem Ende der Demo toll.

Auch für den Demozug selbst empfiehlt sich ein Lautsprecherwagen, um Musik abspielen zu können. Fragt auf lokaler Ebene bei Eurer Gewerkschaft nach, dort sind häufig Anlagen und/oder Demofahrzeuge vorhanden.

4.4. Transparente, Banner, Flyer

Wichtig bei einer Demo sind natürlich auch Transparente, Plakate und Banner, die ihr vorbereiten solltet. Besonders wichtig ist ein Fronttransparent für die erste Reihe. Auch gut ist, wenn ihr auf der Demo Info-Flyer an Passant*innen verteilt und kleine Zettel mit Demosprüchen an die Demonstrierenden verteilt, sodass ihr gemeinsam Slogans rufen könnt.

4.5. Reden/Redner*innen

Erfahrungsgemäß sollten Redeslots nicht zu lang sein (max. 5 min pro Person) und nicht zu viele Redner*innen hintereinanderkommen. Bei einer Demo mit Marschroute empfiehlt es sich zu Beginn Redner*innen zu haben (auch jmd. der die Route kurz ansagt), ggf. unterwegs eine Zwischenkundgebung und am Ende noch eine Abschlusskundgebung (mit einer Person, die am Ende die Demo auch offiziell auflöst). 6-8 Reden à 5-10 Minuten, aufgeteilt auf Anfang, Zwischenkundgebung und Ende sind ein guter Richtwert. Hierbei ist zu überlegen, wen man für Reden anfragt. Ihr solltet auf jeden Fall eine eigene machen, eine Vorlage zur Orientierung bekommt ihr zugeschickt. Die Hochschule, Personalrat/Gewerkschaft oder auch Promovierende sind für die Thematik denkbare weitere Redner*innen.

Achtet darauf, dass die Plätze für die Kundgebungen groß genug sind. Wenn ihr auf nichtöffentlichem Grund seid, besorgt. Euch vorher die Genehmigung der Besitzer. In aller Regel bieten sich Plätze der Uni oder der Innenstadt an (je nach Demoroute/Aktionsort). Plant eine Route, die vor allem in der Öffentlichkeit sichtbar ist – z.B. durch die Innenstadt. Zwischenstopps für 2-3 Reden an öffentlich gut besuchten Orten können sinnvoll sein, um Passant*innen zu informieren.

5. Juristisches: Anmeldung der Demo

Eine gute Übersicht dazu, was alles zu beachten ist findet Ihr hier

Die Anmeldung einer Demo ist kostenlos

  • Die Demo muss 48 Stunden vor der öffentlichen Bekanntmachung (also dem Verteilen der Flyer —- nicht 48h vor der Demo) angemeldet werden

Dafür braucht man:

  • Name des Veranstalters
  • Name und Anschrift der verantwortlichen Leiterin oder des verantwortlicher Leiters
  • Tag, Zeit, Ort der Versammlung und bei einem Aufzug (d.h. sich fortbewegende Versammlung) zusätzlich: Angaben über den Marschweg
  • Thema (Also Hochschulfinanzierung
  • beabsichtigte Verwendung von Ordnerinnen und Ordnern —- in aller Regel wird pro 50 Teilnehmer*innen ein*e Ordner*in vorgeschrieben

Infos zur Demoanmeldung im Serviceportal BW

https://www.service-bw.de/leistung/-/sbw/Versammlung+anmelden-1096-leistung-0

6. Vorlage für eine Rede auf der Demo der Studierendenschaft (Thema Hochschulfinanzierung)

TIPP: Druckt euch eure Rede in Schriftgröße 14 oder größer, mindesten Zeilenabstand von 1,5, Serifenschrift wie Times New Roman, auf Din A4 Blättern aus (nicht vorder-rückseitig bedruckt)! – dadurch vereinfacht ihr euch den Text vorzulesen, auch bei schlechtem Wetter.

Liebe Kommiliton*innen,

vielen Dank, dass ihr alle da seid! Heute gehen in ganz Baden-Württemberg Studierende, Dozierende, Angestellte und viele weitere Menschen auf die Straße, um lautstark zu zeigen: so kann es nicht weiter gehen! Gemeinsam stehen wir dafür ein, dass die prekäre Finanzierungslage der baden-württembergischen Hochschulen endlich beendet werden muss. 

Konkreter Anlass für den heutigen Aktionstag ist, dass das Land aktuell darüber beschließt, wieviel Geld die Hochschulen in den kommenden Jahren bekommen werden. In den vergangenen fünf Jahren gab es erstmals in Baden-Württemberg einen sogenannten Hochschulfinanzierungsvertrag. Ziel war es, dass die Hochschulen für 5 Jahre mehr Gelder vom Land bekommen, um die Doppeljahrgänge G8/G9, durch die mehr Leute als Normal die Schule abschlossen, aufgefangen werden können. Doch entgegen der Erwartungen, dass die Studierendenzahlen im kommenden Jahr wieder sinken, haben sie sich in Höhe der vergangenen Jahre verstetigt. Denn der Trend geht ganz klar zum Studium. Deshalb stehen die Hochschulen seit Monaten im Gespräch mit er grün-schwarzen Landesregierung, um einen neuen Vertrag für die 5 Jahre aufzustellen. Nur wenn das Land für die kommenden 5 Jahre genügend Gelder zur Verfügung stellt, können die jetzigen Studienplätze erhalten, die Lehre verbessert und die gewachsenen Aufgaben erfüllt werden. Andernfalls werden die Hochschulen gezwungen sein, Studienplätze abzubauen, die Lehrangebote zu verkleinern und notwendige Maßnahmen in Bereichen wie der Sanierung oder der Digitalisierung einzustellen. Doch momentan sieht es schlecht für die Hochschulen aus. CDU und Grüne blicken lieber auf den Wahlkampf und wollen Gelder in Ministerien stecken, mit denen sie die Wahl gewinnen wollen. Die Bildung fällt dabei gerade hinter den Tisch – obwohl die Hochschulen mindestens 450 Mio. € pro Jahr benötigen, will das Finanzministerium nicht einmal 100 Mio. € im Jahr bewilligen. Das ist mehr als zu wenig und geht an der Kostenrealität vollkommen vorbei! 

Seit Jahrzehnten wird in Baden-Württemberg auf Landesebene eine bildungspolitische Linie gefahren, die für eine Gesellschaft wie unserer, deren Fundament die Bildung ist, gefährlich ist. Der gesamte Bildungssektor wird kaputtgespart! Durch den Pisa-Crash 2016, bei dem Baden-Württemberg Deutschlands Schlusslicht war, ist das Land in Hinblick auf die Grund- und weiterführenden Schulen aufgewacht. Nach Jahren der Unterfinanzierung wurde endlich wieder Geld für Bildung in die Hand genommen – und das ist auch gut so! Das zeigt uns: wenn der nötige Wille da ist, gibt es auch Geld für die Bildung. 

Bildung endet jedoch nicht nach dem Schulabschluss. Entsprechend fragen wir uns: was ist mit den Hochschulen? Seit Jahren wächst die Zahl der Studierenden stetig und hat sich mittlerweile auf Höhe der Doppeljahrgänge G8/G9 eingependelt. Mit der wachsenden Anzahl an Studierenden, aber auch durch neue Aufgaben wie beispielhaft der Digitalisierung oder Inklusion, wachsen die Hochschulen stetig mit. Es benötigt ausreichen Personal im Mittelbau, damit alltäglich anfallende Aufgaben erledigt werden können. Nur durch eine angemessene Anzahl von Dozierenden kann eine gute Betreuungsrelation gegenüber uns Studierenden gewahrt werden. Und durch den kontinuierlichen Fortschritt in der Forschung, steigen auch die Anforderungen ans Studium. Hierzu braucht es entsprechende Gerätschaften und gerade auch Bücher bzw. Buchlizenzen. Daneben muss auch bedacht werden, dass natürlich mit einem solchen Gesamtwachstum der Hochschule auch die Infrastruktur mitwächst – neue Gebäude und größere Stromrechnungen sind hierbei die Folge.

Nun blicken wir uns in der Hochschullandschaft einmal um: Marode Gebäude, Einsparungen aufgrund von Stromkosten, prekär beschäftigtes Personal, zu wenig Angestellte für die Masse an Aufgaben, Betreuungsrelationen die teilweise den Kontakt zu Dozierenden unmöglich machen, Gebäude in die es hinein regnet und zu wenig Hilfsangebote, die Studierenden mit besonderen Bedürfnissen zu Gute kommen. Das sind nur einige Aspekte, durch die wir tagtäglich während unseres Studienalltags merken: es mangelt an Geld! 

Die Realität der Unterfinanzierung der Hochschulen lässt sich auch in Zahlen beschreiben. Die Landesrektorenkonferenzen haben berechnet, dass sie heute im Vergleich zu 1998, unter Berücksichtigungen der Inflation, pro Student*in etwa 3540€ weniger zur Verfügung haben. Zur Erklärung: Die Hochschulen kriegen für jede Person, die bei ihnen studiert, Zuschüsse von Land. Diese Zuschüsse stellen die Haupteinnahmequelle von Hochschulen dar. Diese Lücke zwischen den Geldern, die die Hochschulen vor 20 Jahren hatten und denjenigen Zuschüssen, die sie heute bekommen, ist vor dem Hintergrund des Aufwuchs der Studierendenzahlen und somit Aufgaben absurd. Diese Finanzierungslücke muss dringend geschlossen werden!

Daneben muss hier klar gesagt werden: Bildung ist Ländersache! Es ist Aufgabe des Landes Baden-Württemberg, der eigenen Verantwortung nachzukommen und die Bildung endlich wieder ausreichend zu finanzieren. Natürlich muss das Geld irgendwo herkommen – jedoch sind die Investitionen, die in die Bildung gesteckt werden, Investitionen für die Zukunft. Wir sind die Köpfe von morgen. Wir sind diejenigen, die gesellschaftliche Probleme der Zukunft lösen werden müssen. Seien es der demographische Wandel, die Reformation des Krankenkassen- und Rentensystems, sei es die Weiterentwicklung von Technologien oder der Klimawandel – nur wenn in die Hochschulbildung investiert wird, sind wir als Gesellschaft in der Lage, sich diesen Herausforderungen zu stellen.

Wir appellieren daher eindringlich an die Landesregierung Baden-Württembergs und den Landtag: beenden sie die Unterfinanzierung der Hochschulen und stellen sie sich ihrer Verantwortung! Andernfalls droht der baden-württembergischen Bildungslandschaft in wenigen Jahren ein Crash, der die Qualität und Quantität der Lehre und Forschung erheblich verschlechtern wird. Für ein ausfinanziertes Hochschulsystem!

7. Aktionen, die abseits oder während einer Demo durchgeführt werden können

  • Infoabend: Podiumsdiskussion mit Rektorat und Studivertretungen: Dient als fachlicher Austausch und bietet die Möglichkeit zur Einbindung von Politikern und Prominenz in die Diskussionsrunde.
  • Bildung zu Grabe tragen: Symbolisch die Universität/Hochschule zu Grabe tragen. Beerdigungszug organisieren mit Grabesrede auf zentralem Platz an der Hochschule/Universität. Kreuz und Trauerkleidung nicht vergessen!
  • Betteln gehen: Spendensammlung für die Hochschulen. Wirkt in der Öffentlichkeit surreal und polarisiert sehr stark. Lässt sich auch sehr gut mit Prominenz verbinden.
  • Briefkästen: Plakate, Flyer und Infomaterialien müssen so direkt wie möglich an die Angestellten und Mitarbeiter auch verteilt werden. Das lässt sich am einfachsten über die vielen Briefkästen der Angestellten direkt an den Instituten oder per Anheften von Nachrichten an den Türen der Angestellten.
  • Zettel ausfüllen: Din A4/A3 Plakate nach dem Muster „ich bin für … weil …“ erstellen und an Mensen aufhängen – regt Studierende zur eigenen Reflexion an. Ergebnisse können gesammelt und hinterher gegenüber Politik und Rektoraten vorgetragen werden. Bringt daher auch einen inhaltlichen Mehrwert und Input.
  • Glühwein und Cocktails unter dem Motto „Finanzierung schön saufen“ oder „höhere Prozente für die Hochschule“: Hält vor allem die Studierenden bei Laune trotz ernsten Hintergrunds.
  • Dosenwerfen: Stand mit Infomaterialien und Dosenwerfen, um Menschen anzuziehen.
  • Zelten auf dem Campus: Dient als Hinweis auf prekäre Situation und bringt Aufmerksamkeit als Mahnmal. Gleichzeitig kann man so auch noch die Wohnraumproblematik für Studierende bespielen und die Situation der Studierenden an Hochschulen in den Fokus der Debatte rücken. Sollte man natürlich nur in Absprache mit der Uni machen 😉
  • 24-Stunden Vorlesungen um Dozierende mit dabei zu haben + in die Öffentlichkeit verlegen (Schwimmbad bsp.): Kann ein Hinweis auf marode Hörsäle und veraltete Infrastruktur an Hochschulen sein, wenn man sie außerhalb regulärer Hörsäle durchführt, zum Beispiel im Freien. Prinzipiell kann man die Vorlesung nutzen, um Erfahrungsberichte aus der Praxis an Hochschulen einzubinden. Insbesondere die unterschiedlichen Statusgruppen und Funktionsinhaber können gut eingebunden werden.
  • Bluten für die Uni (Blutspende) und Geld an Uni spenden (z.B. UB): Hat Tübingen wohl in der Vergangenheit öfters gemacht. Guter Zweck lässt sich mit politischem Statement verknüpfen. Braucht aber gute Organisation und kann als makaber wahrgenommen werden. Geld spenden an Uni oder Hochschule stellt nur ergänzende Option dar.
  • Spendenkassen beim Studium Generale u.Ä.
  • Großbanner z.B. am Theater o.Ä. aufhängen: Bringen an sehr guten Standorten enorme Publicity und Sensibilisierung der Öffentlichkeit
  • Flashmobs in der Mensa oder auf öffentlichen Plätzen, Die-Ins
  • Vollversammlungen: Dienen als Informations- und Austauschplenum