Forderungen der HAWen/DHBW

Detaillierte Informationen zu den Finanzbedarfen der HAWen/DHBW finden sich unter https://www.hochschulen-bw.de/home.html

Die HAW als wichtige Innovationsmotoren für Baden-Württemberg Baden-Württembergs Stärken liegen in seiner hohen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Kaufkraftbereinigt lag 2017 die Wirtschaftskraft 41 Prozent über dem EU Durchschnitt. Damit gehört der Südwesten zur Spitzengruppe europäischer Regionen.

Wesentliche Impulsgeberinnen für die nachhaltige Entwicklung dieser Wirtschaftskraft sind Investitionen in Bildung, Wissenschaft und Forschung. Sie schaffen die Voraussetzungen für wettbewerbsfähige Produkte, Dienstleistungen und Produktionsprozesse. Globale Trends in relevanten Technologiefeldern (z.B. Digitalisierung, Mobilität, Energie) werden zu zentralen Herausforderungen für den Innovationsstandort Baden-Württemberg. Die stark exportorientierte Wirtschaft des Landes wird getragen von einer großen Bandbreite verschiedenster Unternehmen – von Großindustrien bis hin zu einem sehr starken Mittelstand. Vor allem die Dezentralität und Regionalität der mittelständischen Strukturen sind ausgewiesene Wettbewerbsvorteile des Landes Baden-Württemberg.

Lebensadern dieser starken Wirtschaftsregion sind auch die akademischen Bildungs- und Forschungseinrichtungen. In Baden-Württemberg hat sich eine Vielfalt an Hochschulen etabliert, die sonst in keinem anderen Bundesland zu finden ist. Sowohl ihre Standorte als auch deren differenzierte Profile sind sehr gut geeignet, auf die spezifischen Anforderungen des Landes mit seiner ausgeprägten regionalen Verteilung von Wirtschafts- und Innovationskraft, Beschäftigung, Lebensqualität und Infrastruktur zu reagieren. Als regionale Innovationsmotoren, Partner der Wirtschaft sowie Vermittler zwischen Wissenschaft und Praxis bereichern die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) die Hochschullandschaft.

Die besondere Aufmerksamkeit, die der Transfer von Wissen in Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft derzeit erfährt, hat die Relevanz der HAW zusätzlich erhöht. Zur Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaftsstandorte tragen sie mit hochqualifizierten Hochschulabsolventinnen und -absolventen bei. Die HAW sind durch ihren starken Wissens- und Technologietransfer zu wichtigen Impulsgeberinnen für eine innovationsorientierte Entwicklung unseres Landes geworden. Vor allem ihre Brückenfunktion zwischen Forschung und konkreter Anwendung bietet kleinen und mittleren Unternehmen einen schnellen Zugang zu aktuellen Schlüsseltechnologien.

Die Investitionen der Vergangenheit in die HAW tragen eine hohe Rendite: Mit Studiengängen, die sich durch eine große berufliche Relevanz auszeichnen, bieten HAW jungen Menschen attraktive Berufs- und Lebensperspektiven.

Gesellschaftliche Faktoren sind für erfolgreiche Standorte ebenso wichtig wie rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Die HAW gestalten den Wissenstransfer für lebenslanges Lernen und für die Teilhabe aller gesellschaftlicher Gruppen. Sie sind wichtige Arbeitgeberinnen genauso wie Zentren für Gründungen, kulturelle Begegnung, Kunst und soziales Engagement.

Wichtige Akteure in einem dynamischen Bildungssystem 

Die HAW sind seit vielen Jahren ein zuverlässiger und engagierter Partner bei der Umsetzung der hochschulpolitischen Ziele der Landesregierung. Bei den Ausbauprogrammen des Hochschulsystems haben sie überproportional viele neue Studienanfängerplätze geschaffen, und das gerade in solchen Bereichen, die für das Innovations- und In HAW investieren, heißt in die Zukunft investieren Die HAW fördern Innovation und Transfer in Baden-Württemberg Seite 3 von 4 Beschäftigungssystem von maßgeblicher Bedeutung sind. Durch das vorausschauende und rasche Handeln der HAW konnte das Land die Vorgaben des Bundes beim Hochschulpakt erfüllen und die quantitativen Ziele des Hochschulfinanzierungsvertrags von 2015 (HoFV) erreichen. Die große Akzeptanz der HAW-Absolventinnen und Absolventen auf dem Arbeitsmarkt hat die Sichtbarkeit und Attraktivität der Hochschulart für die zukünftigen Studierenden in Baden-Württemberg nochmals deutlich gesteigert. Auch deshalb wird langfristig eine große Nachfrage nach angewandten Studienkapazitäten erwartet. Gleichzeitig haben die HAW viele zusätzliche Aufgaben angenommen, die zunächst als temporär angesehen und durch eine befristete Programmfinanzierung angeschoben wurden, inzwischen aber zu Daueraufgaben geworden sind.

Schon allein durch den fundamentalen Wandel im Bildungssystem, d.h. den steilen Anstieg der Studierendenzahlen, haben die Anforderungen an die Infrastruktur, die Verwaltung und die Betreuung der Studierenden inzwischen die Belastungsgrenzen der HAW überschritten. Ihre tägliche Bewältigung betrifft die Kernaufgaben der HAW in Lehre und Forschung. Sie geht zu Lasten der Qualität von Studium, Lehre und Forschung sowie der Gesundheit der HAW-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Daran hat auch der HoFV wenig geändert. Seine Berechnungs- und Verteilungslogik hat gerade die Hochschulen, die sich intensiv am Ausbau der Studienanfängerplätze im Land beteiligt haben, nicht in angemessener Weise berücksichtigt.

Der nächste HoFV muss Versäumnisse für die ausbaustarken Hochschularten nachholen

Bis zum Ende der Laufzeit des ersten HoFV wird an den HAW kaum ein Studienplatz aus den Ausbauprogrammen in die Grundfinanzierung überführt und damit mittelfristig planbar abgesichert sein. Die meisten wichtigen Daueraufgaben sind befristet finanziert und werden mit einer völlig unzureichenden Personalstruktur – und einer Vielzahl von befristeten Arbeitsverhältnissen – bewältigt.

Das Ziel flächendeckend „Guter Arbeit“ wird an den HAW deshalb nicht erreicht. So hat die Attraktivität der Hochschulen als Arbeitgeberinnen spürbar gelitten – und das in Zeiten der Vollbeschäftigung. Die HAW im Land fallen durch diese fehlende Planungssicherheit und durch die sich seit zehn Jahren verschärfende Unterfinanzierung hinter die Hochschulen anderer Bundesländer zurück. Das Land selbst investiert pro Studentin /Student heute rund 1000 Euro pro Jahr weniger als noch im Jahr 2007. Der Bundesrechnungshof kritisiert diese Entwicklung deutlich: „In fünf Ländern gingen jedoch in den Jahren 2004 bis 2013 trotz der Bundesmittel die laufenden Grundmittel pro Studierende zurück. Hierbei handelte es sich um Baden-Württemberg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Schleswig-Holstein. […] Bei der Betrachtung der vier Länder mit dem bis zum Jahr 2013 höchsten Studierendenzuwachs zeigte sich ein überdurchschnittlicher Rückgang der Pro-Kopf Ausgaben in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.“3

Die Forderung der HAW

Im Interesse der Qualität der Arbeit an den Hochschulen, der Gesundheit des Hochschulpersonals, der Innovationskraft des Hochschulsystems, der Leistungs- und

Die HAW als attraktive Arbeitgeberinnen weiterentwickeln Die Verteilung der Ressourcen muss auf die gravierenden Veränderungen im Bildungssystem reagieren Seite 4 von 4 Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft, der Bekämpfung des Fachkräftemangels und der Stärkung der Regionen fordern die HAW die Rückkehr auf das Finanzierungsniveau im Jahr 2007:

Dies bedeutet den dauerhaften Ausgleich der 1000 Euro pro Studentin/Student, die den HAW derzeit jährlich fehlen. 

Die Studierendenzahlen bleiben absehbar hoch und die Attraktivität eines HAW-Studiums wird bei den prognostizierten Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt ungebrochen bleiben.

Deshalb sehen die HAW für die Hochschulfinanzierung ab 2020 folgende Prämissen als Voraussetzung für ihre weiterhin zuverlässige und gute Arbeit:

  • Die Verstetigung des Studienplatzangebots und Übertragung der Programmmittel (Land) in die Grundfinanzierung4
  • Den Erfolg des Pakts „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“ (Nachfolge Hochschulpakt) auf Landesebene umzusetzen. Dies umfasst die Aufnahme der Bundesmittel in die Grundfinanzierung sowie transparente Verteilungskriterien
  • Eine Dynamisierung der Grundfinanzierung um jährlich 3 Prozent
  • Hochschulautonomie
    • beim Einsatz der Mittel
    • bei der Weiterentwicklung des Portfolios der Studienangebote
    • bei der flexibleren Verteilung der Lehrverpflichtung

Während die Wirtschaftskraft (BIP) in Baden-Württemberg in den vergangenen 20 Jahren um mehr als 50 Prozent angewachsen ist und die Steuereinnahmen um fast 80 Prozent gesteigert werden konnten, haben das Hochschulsystem und insbesondere die HAW von dieser Entwicklung nicht gleichermaßen profitieren können. Sie sind nicht nur unterproportional am Aufschwung beteiligt, die

Entwicklung pro Studentin/Student betrachtet fällt sogar negativ aus.

Die HAW leisten ihren Beitrag 

Das Hochschulsystem ist in den vergangenen Jahren immer effizienter geworden. Zusätzliche Aufgaben und Vorschriften mussten bewältigt werden, ohne dafür genügend Stellen zu haben und ohne unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine aufgabengerechte Bezahlung bieten zu können. Viele der Effizienzgewinne sind äußerst fragil, lasten auf den Schultern der Beschäftigten und basieren auf einer Überforderung der vorhandenen Infrastruktur.

Um die Zukunftsfähigkeit des Hochschul- und Wissenschaftssystems des Landes zu sichern und weiterhin eine hohe Qualität garantieren zu können, muss die Hochschulfinanzierung dringend den veränderten Rahmenbedingungen und Realitäten angepasst werden. Das ist die Voraussetzung dafür, dass die HAW weiterhin ausreichend Studienplätze anbieten können – gerade für die (Wirtschafts- )Bereiche und in den Wissenschaftsdisziplinen und Kompetenzfeldern, die dringend hochqualifiziertes Fachpersonal benötigen.

Nur wenn das Finanzierungsniveau von 2007 (real) wieder erreicht wird, können die HAW dieser Aufgabe auch zukünftig in dem Maß und der Qualität gerecht werden, wie sie das bisher getan haben. Im Gegenzug halten die HAW die Anzahl der Studienplätze konstant hoch und bewältigen die in den vergangenen Jahren hinzugekommenen Aufgaben verlässlich.


2 Vgl. Koalitionsvertrag der Landesregierung, S. 38, Absatz 7; Online unter https://www.badenwuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/dateien/PDF/160509_Koalitionsvertrag_B-W_2016-2021_final.PDF (20.05.2019)

3 Bundesrechnungshof (2019): Bericht; Prüfung der Wirksamkeit und zweckentsprechenden Verwendung von Hochschulpaktmitteln des Bundes, Bonn. Online unter: https://www.bundesrechnungshof.de/de/veroeffentlichungen/produkte/beratungsberichte/langfassungen/langfassungen-2019/2019-berichtwirksamkeit-und-zweckentsprechenden-verwendung-von-hochschulpaktmitteln-des-bundes%28pdf%29 (20.05.2019)

4 Die bisher vom Land zeitlich befristet finanzierten Ausbauprogramme werden vollständig in die Grundfinanzierung der jeweiligen Hochschule überführt, also in das Hochschulkapitel übertragen.

5 Das Land fällt damit auch im nationalen Wettbewerb um die besten Köpfe und die zukunftsfähigste Ausbildung zurück. Das betrifft alle 350 000 Studierenden im Land unmittelbar.